Gruselige Versteckpersonen

Uiih, macht das Suchen Spaß – doch oh Schreck, da steht sie, die gruselige Versteckperson!

Kennt ihr das? Dieses Phänomen gibt es in ganz unterschiedlicher Ausprägung.

Es gibt Hunde, die fürchten sich vor Personen in bestimmten Posen, wenn sie diese auf eine bestimmte Entfernung wahrnehmen, oder aber, wenn sie ihr zu plötzlich gegenüber stehen. Da lässt sich relativ leicht Abhilfe schaffen, indem man die ängstigenden Situationen am Trailende vermeidet und der Hundehalter im Alltag an der Angstproblematik arbeitet.

Andere Hunde fürchten sich jedoch vor Versteckpersonen in jeder Form – auch wenn diese so ca. 5 Meter vor Ankunft für sie sichtbar wird, seitlich abgewandt hockt, den Hund nicht anschaut oder anspricht – egal: Sie ist gruselig, weil sie ein Mensch ist.

Was mache ich nun mit solchen Hunden? Ist der Hund vor dem Trailen dafür zu begeistern, darf die Versteckperson ihn gerne eine Weile vor dem Start füttern, ihn kraulen oder mit ihm spielen. Bei sehr ängstlichen Hunden wird dies aber über ein Zukullern von Futter nicht hinaus gehen.

Entscheidend aber ist das Verhalten am Ende des Trails. Hier bringe ich den Hund nicht in einen Konflikt, der aus seiner Sicht eine Strafe für das gezeigte Suchverhalten ist, sondern ich belohne ihn! Der Hundeführer markert/lobt seinen Hund in dem Moment, in dem der Hund die Versteckperson wahrnimmt und belohnt erst einmal großzügig selber. Dabei kann es bei ängstlichen Hunden wichtig sein, sich auch als Hundeführer vom fressenden Hund zu entfernen.

Anschließend belohnt die Versteckperson Nähe durch Distanz*. Jeder Blick zu ihr hin wird mit einem Futterstück belohnt, dass sie so hinter den Hund kugelt, dass er zunächst wieder mehr Distanz zu ihr aufbaut. Die Belohnung für die Annäherung an die Versteckperson besteht aus dem funktionalen Verstärker Distanz und dem primären Verstärker Futter, der auf Distanz auch als Verstärker empfunden wird. Annäherung geschieht freiwillig und konfliktfrei, das Pendeln bringt für das Lernen wichtige Wiederholungen und Bewegung nimmt Stress aus der Situation.

Nicht alle Hunde springen rückwärts, wenn sie die Versteckperson gruselig finden. Manche zeigen subtiles Meideverhalten und andere zeigen Übersprungsverhalten – fangen an zu schnüffeln, Gras zu fressen oder zu pinkeln…. Seid bitte sensibel! Wenn ihr solches Verhalten als „Sturheit“ oder „Eigensinn“ interpretiert und eure Hunde in den Konflikt zwingt, bestraft ihr sie für das Suchverhalten auf dem Trail. Wundert euch dann nicht, wenn sie die Freude am Trailen verlieren!

* Nähe durch Distanz: Methode aus der Verhaltenstherapie für ängstliche Hunde