Doubleblind – warum???

Seit wir trailen, ist es mir ein tiefes, inneres Bedürfnis unser Können regelmäßig doubleblind zu überprüfen – mehr noch doubleblind ist Teil des Trainings. #trainlikeyoufight


Immer habe ich instinktiv gespürt, dass sich sowohl Hund als auch Hundeführer an einem wissenden Backup orientieren können.

Und ich möchte diesen Flow nicht missen – dieses Gefühl, dass nur mein Hund und ich gefunden haben.

Das Arbeiten im Doubleblind verlangt aber auch eine gewisse mentale Stärke, viel Konzentration und komplexe Arbeitsstrategien, wenn es mal schwierig wird, die man im Singleblind niemals so intensiv lernt.
Teamfähigkeit & Vertrauen entwickeln sich in völlig andere Dimensionen.

Geschockt hat mich gestern die Information, dass viele Hilsorganisationen ihre Einsatzfähigkeit im Singleblind überprüfen. Das ist für mich keine ehrliche Prüfung und eine Erklärung dafür, dass in Einsätzen so selten gefunden wird: Logisch, wenn die Teams nur im Singleblind trainieren und geprüft werden! 😮

Auch in meiner Ausbildung zum Mantrailing Instruktor sah ich die besseren Teams meines Coaches mühelos einen Singleblind laufen, aber scheitern, sobald die Versteckperson auf den letzten Metern nicht genau dort war, wo es abgesprochen gewesen war – das Ende also versehentlich ein Doubleblind war. Doubleblinds im Training waren bei ihr nicht denkbar – die Hundeführer wären vor (berechtigter) Angst nicht erschienen und ich bekam Tipps, wie man ein Team „elegant“ durch einen Singleblind „schiebt“.

So nicht – dachte ich mir! Wir werden ehrlich trailen. Ich bin überzeugt davon, dass ich mit meinen Hunden nicht so schnell zu guten Teams zusammen gewachsen wäre, wenn wir uns nicht regelmäßig der Herausforderung Doubleblind gestellt hätten und dabei gemeinsam gescheitert wären, gemeinsam Schwierigkeiten durchgestanden hätten, gemeinsam stärker geworden wären und auch im gegenseitigen Vertrauen gewachsen wären.

Wie schaut nun so ein Training im DOUBLEBLIND aus? Manchmal ganz unspektakulär: Das Team kommt zum Startplatz, läuft seinen Perimeter, startet, findet schnell die richtige Startrichtung, rockt spielend den Trail, genießt den Flow und bekommt das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Solche Trails sind natürlich wichtige Vertrauensbooster im Aufbau der Teams! Aber auch an den schwierigen Trails wachsen Hund und Mensch.

Ich berichte euch einmal vom 19.2.2023, weil hier so deutlich wird, mit welchen Schwierigkeiten die Teams umgehen lernen und welche mentale Stärke auch junge Hunde wie Rufus dabei schon zeigen.

Beginnen wir mit Rufus Trail: Start an einer windigen Stelle, an der sich die Versteckperson definitiv aufgehalten hatte. Trotzdem zeigt Rufus dort ein Negativ am Start an: Er frisst Gras und schnüffelt, startet aber nicht – auch als die Hundeführerin den Kreis leicht vergrößert.

Wir haben den Trail dann abgebrochen und waren stolz auf den jungen Hund, der noch nie ein Negativ am Start trainiert hatte, und uns dennoch gezeigt hat, dass er keinen Trail findet. Rufus ist ein hoch motivierter Hund, der heiß auf den Trail ist! Und trotzdem ist er nicht einfach sinnlos in irgendeine Richtung gerannt und hat nach Geruch gestöbert!

Weil sich die Bedingungen so schwierig zeigen, starten wir im Anschluss einen zweiten Versuch mit einer neuen Versteckperson – wieder Doubleblind – lediglich der Startpunkt ist bekannt. Phili arbeitet zunächst nach Süden, aber eigentlich viel zu schwammig. Ich gehe dennoch mit, weil ich weiß, dass sie entweder einklinken oder umdrehen wird. Nachdem sie mir gezeigt hat, dass auf dem Sportplatz wenige Geruchspartikel liegen, aber kein Trail nach Süden weiter geht, kehren wir zum Start zurück. Nun zeigt sie mir in alle Richtungen deutliche Negative, bis nur noch die Richtung direkt gegen den Wind auf meiner Mindmap fehlt. Dahin schicke ich sie mit der verbalen Aufforderung: „Geh da nochmal gucken!“ Dabei halte ich die Leine mit zwei Fingern und spüre, wie der Druck auf der Leine ganz zart zunimmt, bis sie schließlich deutlich einklinkt.

So wird ein „simpler“ Trail im Doubleblind zu einer Herausforderung für das Team. Im Singleblind hätte der Trainer wahrscheinlich den „Ausflug“ nach Süden gar nicht zugelassen und das Team irgendwie auf den Trail geschoben. Niemals aber entwickelt ein Team im Singleblind die Selbstständigkeit, die es in Doubleblinds braucht.

Unsere Trainingsphilosophie trägt Früchte: Meine Teams freuen sich, wenn sie einen Doubleblind laufen dürfen. Letztens erst saß die Versteckperson nicht dort, wo es abgesprochen war. Fenjas Hundeführerin brachte das überhaupt nicht aus der Ruhe: „Sie wird ihn schon finden.“ sagte sie nur und trailte in aller Seelenruhe weiter. Und die einjährige Fenja zeigte ihr souverän, ruhig und mit deutlicher Körpersprache über mehrere weitere Entscheidungen den Weg zur gesuchten Person.