- Warum setze ich „ABKÜRZEN“ in Anführungsstriche?
- Welche Varianten des „ABKÜRZENS“ gibt es?
- Was lernt ein Hund, wenn man ihm das „ABKÜRZEN“ verbietet?
- Entscheiden sich alle Hunde gleich?
- Welche Argumente sprechen gegen das „ABKÜRZEN“?
- Warum ist die Entscheidung für „FRISCH“ oft energiesparend?
- Fazit?
Warum setze ich „ABKÜRZEN“ in Anführungsstriche?


ABKÜRZEN findet nur in unserer menschlichen Denkweise statt. Wir denken in einem zeitlich kontinuierlichem Geruchsband, das der Hund verfolgen könnte, aber das macht natürlich für einen Beutegreifer keinen Sinn. Auf dem zweiten Bild sieht man, dass der Hund nicht abkürzt, sondern dem frischesten Geruchsband (rote Punkte) folgt.
Welche Varianten des „ABKÜRZENS“ gibt es?
Hunde können, wie auf den obigen Bildern, am Start oder auf dem Trail das zeitlich kontinuierliche Geruchsband verlassen, weil sie Anschluss zu einem frischeren Geruchsband finden. Gegen Ende des Trails können sie durch direkten Geruch über den Hochwind entweder ebenfalls Anschluss zu einem frischeren Geruchsband bekommen oder über einzelne Geruchspartikel aus der Luft zur Versteckperson finden.


Was lernt ein Hund, wenn man ihm das „ABKÜRZEN“ verbietet?
Ein Hund lernt in diesem Fall genau zwei Dinge, die meine Hunde niemals lernen sollen.
- Erstens lernt er, dass er sich für den älteren Geruch entscheiden soll. Das kann am Start dazu führen, dass er sich in Zukunft nicht für die frischeste Spur der Versteckperson entscheidet und auf dem Trail dazu, dass er auf eine ältere spur der Versteckperson wechselt oder einen kilometerlangen Backtrack komplett ausarbeitet.
- Das zweite und noch viel fatalere Gelernte ist, dass er die Erfahrung macht, dass die Beeinflussung / Richtungsweisung / Vorgabe des Hundeführers zum Ziel führt. Das führt zu einem Hund, der versuchen wird, sich in schwierigen Situation Hilfen / Informationen bei seinem Menschen zu holen und sich leicht von dessen Körpersprache und der Leine beeinflussen lassen wird.


Entscheiden sich alle Hunde gleich?
Nein, abhängig von Rasse, Charakter und Lernerfahrung entscheiden sich Hunde sehr unterschiedlich. Häufig lässt sich sehr gut beobachten, dass die Hunde einen inneren Konflikt austragen: Die Schulter zeigt z.B. in eine andere Richtung als der Kopf, sie schnüffeln länger an einer Stelle, pinkeln oder schütteln sich. Das Problem liegt darin, dass die frischere Spur nicht nur einen „Zeitensprung“ bedeutet, sondern häufiger auch zunächst viel weniger intensiv ausfällt als die ältere Spur.

Welche Argumente sprechen gegen das „ABKÜRZEN“?

Auf dem Bild seht ihr einen Trail von Paula, die direkten Geruch über den Hochwind von der Versteckperson bekommt. Ein Zaun verhindert aber, dass sie die Versteckperson erreicht. Nachdem sie noch 10 Meter an dieser vorbei gelaufen ist, wie um zu schauen, ob es ein Durchkommen gibt, zeigte sich, dass sie die ganze Zeit einen Plan B unter dem Schlappohr hatte. Zielsicher kehrte sie genau zu der Stelle um, an der sie das kontinuierliche Geruchsband verlassen hatte und lief den Trail auf diesem sicher zu Ende.
Ein Argument gegen „Abkürzung“ sind genau diese Barrieren, die auftauchen können. Kein Problem, wie Paula zeigt. Hunde sind klug und wissen, wo sie das kontinuierliche Geruchsband verlassen haben – klar, denn, siehe oben, an dieser Stelle zeigen sie ja sogar häufig einen Konflikt.
Warum ist die Entscheidung für „FRISCH“ oft energiesparend?
Schlappi spart auf diesem Trail extrem viel Zeit und Energie, weil er sich gegen das Ablaufen des kontinuierlichen Geruchbandes und für den schnellen und konsequenten Wechsel auf den frischeren geruch entscheidet – weil er das immer darf!

Fazit?
Hunde sind olfaktorische Spezialisten – uns erschließt sich diese Welt kaum. Nur in Ansätzen haben wir eine Vorstellung von Geruchsverteilung – und dann wollen wir unseren Hunden vorschreiben, wie sie suchen sollen?