
My Way
Lange habe ich nach meinem Weg gesucht und dabei viele Möglichkeiten kennen gelernt und ausprobiert. Und das ist auch gut so, denn das ermöglicht mir weiterhin, individuell auf jedes Team ein zu gehen und spontan vom „üblichen Verfahren“ ab zu weichen, wenn ich sehe, dass dies für Hund oder Hundeführer oder das Team besser geeignet ist. Der Entdeckertrail von K9, das Anreizen von TKM – alles funktioniert, aber irgendwie hat mir immer irgendwas nicht so ganz gefallen… Vielleicht kommt da auch der Hundetrainer in mir durch, der gelernt hat, wie Hunde optimiert lernen?
Grundprinzipien
Folgende Dinge sind mir beim Antrailen wichtig:
- Die Verknüpfung „Geruchsartikel – Versteckperson“ ist mir wichtiger, als die Verknüpfung „einem Menschen zu folgen lohnt sich“. Deswegen erfolgt sie zuerst und auf einem niedrigen Erregungslevel, auf dem gut und komplex gelernt werden kann.
- Diese Verknüpfung wird so kleinschrittig aufgebaut, dass fehlerfreies Lernen und schneller Erfolg und damit eine sichere Verknüpfung garantiert sind.
- Die Lernvoraussetzungen werden so geplant, dass von Beginn an keine Korrekturen und kein Führen durch den Menschen nötig sind – um einen selbstständig arbeitenden Hund zu bekommen.
- Die Motivation, die durch den Reiz der sich weg bewegenden Versteckperson entsteht, wird dennoch in beide Antraildurchgänge integriert.
- Es wird von Beginn an darauf geachtet, dass der Hund zur Suche die Nase einsetzen muss.
Details
- Der Geruchsartikel zum Antrailen ist ein stark nach der Versteckperson riechendes Textil, zumindest von allen Anwesenden unkontaminiert, in einer nicht parfümierten 10 Liter Tüte (ohne Leckerlis o.ä.).
- Die Versteckpersonen sind zwei unterschiedliche, dem Hund unbekannte Personen in Durchgang 1 und 2, sofern es kein Angsthund ist. In Durchgang 1 darf der Hund die Person vorher sehen, sich ihr aber nicht nähern. In Durchgang 2 wird der Hund erst aus dem Auto geholt, wenn die Person im Versteck ist.
- Alle Durchgänge mit „Anreizen“ erfolgen unter Sichtausschluss und mit Start gegen die Startrichtung. Der Hund wird angereizt und sieht die VP lediglich „um die Ecke“ verschwinden. Die Suche erfolgt über die Nase. Die VP steht/sitzt/hockt für den Hund erst bei unmittelbarer Annäherung sichtbar.
- Das Antrailen findet auf Waldboden oder Wiese statt, um dem Hund genug Strukturen am Boden zu bieten, an denen viele Geruchspartikel haften und Ablenkungen zunächst gering zu halten.
Ziel
- von Beginn an starke Verknüpfung Geruchsartikel – Versteckperson
- trotzdem hohe Suchmotivation durch visuellen Reiz
- trotzdem Suchen nur über die Nase
- absolute Selbstständigkeit
Durchgang 1

1.1 Die VP legt die Tüte mit ihrem GA geöffnet auf den Boden und hockt sich setlich ca. 1,5 Meter dahinter. Die Futterbelohnung hält sie für den Hund nicht sichtbar auf der diesem abgewandten Seite. Der HF nähert sich mit dem Hund an der kurz gehaltenen Leine bis einen Meter vor den GA, leint dort um, nähert sich nun mit dem Hund dem GA und zeigt selber deutliches Interesse an dem GA. Sobald der Hund anriecht, kann das Signal „Trail“ erfolgen, der HF lässt ein wenig Leine raus und die erste Orientierung in Richtung VP wird überschwenglich gelobt und mit der Futterbelohnung bestätigt. Anschliessend wird der Hund wieder auf das Halsband umgeleint.
1.2 Die VP entfernt sich ein wenig und legt erneut ihre geöffnete Tüte mit dem GA aus. Anschliessend hockt sie sich wiederum seitlich hin, diesmal ca. fünf Meter entfernt und in die Nähe eines Baumes oder einer Hecke (Startpunkt und Sichtausschluss für 1.3). Anschliessend erfolgt der gleiche Ablauf wie in 1.1. Allerdings wird der Hund nicht wieder auf das Halsband umgeleint, sondern bleibt im Arbeitsgeschirr.
1.3 Der HF dreht seinen Hund aus der Startrichtung und hält ihn hinter dem Sichrausschluss. Die VP legt ihre geöffnete Tüte mit dem GA gerade außerhalb der Reichweite des Hundes vor diesem aus, interessiert sich selber noch einmal für den GA, zeigt dem Hund die Futterbelohnung und verschwindet hinter dem Sichtausschluss. Sie wählt von Beginn an keinen „definierten Weg“, sondern geht querfeldein ca. 20 – 30 Meter und verschwindet hinter einem Sichtausschluss. Ist sie verschwunden, interessiert sich der HF erneut für den GA, bis der Hund anriecht. Dann wird mit dem Signal „Trail“ gestartet. Bei der VP angekommen wird der Hund gelobt, belohnt und vom Arbeitsgeschirr befreit. Auch der Rückweg zum Auto wird genutzt, um den Hund zu feiern.
Durchgang 2

2.1 Der erste Durchgang der zweiten Runde ähnelt 1.1, nur mit dem Unterschie, dass sich die VP bereits ca. 5 Meter entfernt von ihrer Tüte hinter einem Sichtausschluss befindet, wenn der Hund aus dem Auto aussteigt.
2.2 und 2.3 verlaufen äquivalent zu 1.3 – eventuell etwas länger, je nach Umgebung.
Und dann…
Danach ist das erste Training zuende. Beim nächsten Mal starten wir wieder mit einem Geruchsartikel und einer Versteckperson, die 5 Meter entfernt bereits hinter einem Baum/Busch o.ä. sitzt, wenn der Hund das Auto verlässt – in einem Gelände, in dem seit Tagen keiner war und nur diese eine menschliche Spur zu diesem einen Menschen führt. Im Anschluss folgt ein Intensity mit Sichtauschluss vom Auffindepunkt weg über ca. 50 Meter mit einer Abbiegung.
Im zweiten Durchgang wiederholt sich das Spiel mit einer neuen Versteckperson, 75 Metern und einer Abbiegung in die andere Richtung.
