Du möchtest mit einem Welpen ins Mantrailing starten? Gerne begleite ich dich – durch das Lesen dieses Beitrages oder auch ganz real in unseren Trainingsgruppen, im Alltagstraining (auch online) und in Seminaren. Im Teil 1 geht es um das „Drumherum“. In Teil 2 nehme ich dich mit auf die „Puppytrails“ von der 8. bis zur 16. Woche.
Dieser Artikel wird nicht mit dem Mantrailingtraining beginnen, sondern mit der Auswahl deines Welpen und den Gedanken, die du dir zur Alltagsausbildung deines Hundes machen solltest. Neben allgemeinen Gedankenanrengungen nehme ich dich ein wenig mit auf unsere Reise – Peppis & meine – und unseren Start in unser Mantrailerleben. Mehr dazu erfährst du auf Peppis FB-Seite & YouTube Kanal.

Welpenauswahl
Die Auswahl des Welpen ist der erste Schritt auf eurem gemeinsam Weg. Dafür musst du dir zunächst einige Fragen beantworten wie z.B.:
Möchte ich in die Rettungshundearbeit oder bleibt Mantrailen ein Hobby?
Habe ich noch andere Charaktereigenschaften außerhalb des Mantrailens, die mir wichtig sind?
Welche Rasse würde passen? Welcher Züchter achtet auf Charaktereigenschaften, die ich brauche?
Ich finde, zu dem Thema gibt es bereits zwei sehr gute Beiträge von meiner Kollegin Jenny Wehage: https://www.findyourman.de/der-perfekte-mantrailer-segen-oder-fluch/ und https://www.findyourman.de/der-ideale-mantrailing-hund/
In unserem Fall war es uns wichtig, einen Hund mit hohem will to work, mittlerer Größe und Drang zur Nasenarbeit zu haben. Den sehr hohe will to please des Working Cocker und die genetische Art des Suchens haben wir in Kauf genommen und gezielt früh Selbstständigkeit und gewünschtes Suchverhalten gefördert. Uns war aber auf der anderen Seite die extrem freundliche und sozialverträgliche Seite dieser Rasse wichtig, da sich Peppi in unserem Alltag wohlfühlen muss. Unsere Züchter achten bei der Verpaarung auch auf den Charakter der Elterntiere und fördern von Beginn an Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein, Mut, Durchaltevermögen, Resilienz, Durchsetzungsfähigkeit, Koordination, Sozialisation mit Menschen und Hunden u.v.m. – eine tolle Basis, mit der wir weiter arbeiten konnten.

Sozialisation
Ein Mantrailer begegnet Hunden und Menschen – ziemlich vielen. Und dabei spielt die Verteckperson am Ende des Trails noch die untergeordnete Rolle. Idealerweise kann dein Hund friedlich und unbeteiligt an Hunden und Menschen vorbei arbeiten. Das setzt zwei Dinge voraus: Er hat von Beginn an gelernt, dass diese Lebewesen nicht gefährlich sind, er hat aber auch gelernt, dass deren Auftauchen nicht automatisch Kontaktaufnahme bedeutet.
Ich habe bei Peppi auf der einen Seite auf eine Bedürfnisbefriedigung geachtet. Er hat genug gute Menschen- und Hundekontakte. Auf der anderen Seite achte ich darauf, dass er das Erscheinen von Mensch oder Hund nicht mit Kontaktaufnahme oder Erregung verbindet. Ich belohne immer die Impulskontrolle und das Abwenden vom Reiz, das Vorbeilaufen und das Bleiben bei mir. Noch wichtiger aber ist es mir, dass alle diese Reize für ihn so gewöhnlich werden, dass er ihnen mit echter Gelassenheit begegnen kann.

Jagdverhalten
Wie bei allen Reizen arbeiten wir auch bei jagdlichen: Wir verstärken das Schauen und Abwenden. Im Welpenalter geht das ziemlich leicht, denn Welpen stehen und schauen intuitiv, wenn sie jagdliche Reize wahrnehmen. Ich muss dieses Verhalten nur fördern – und beim Mantrailern idealerweise zusätzlich das Weitergehen verstärken.

Umweltgewöhnung & Ankündigungen
Mantrailer arbeiten nicht im luftleeren Raum und auch nicht auf einem sterilen Hundeplatz. Sie müssen in wirklich reizüberfluteten Umgebungen (olfaktorisch, akustisch, optisch, haptisch, emotional) kognitive (und physische) Höchstleistungen vollbringen. Das erfordert Konzentration und das wiederum das Vertrauen in uns, dass wir darauf achten, dass ihnen bei der Arbeit nichts passiert. Genau diese Erfahrung muss dein Welpe aber zunächst (mit dir) im Alltag machen.
In der Welpenzeit und darüber hinaus bin ich mit Peppi regelmäßig bewusst an Orte gefahren, an denen er mit vielen Reizen konfrontiert wurde. Wir haben das natürlich so gesteigert, dass es eine Gewöhnung und keine Sensibilisierung wurde. Wichtig ist mir aber, dass wir es immer wieder wiederholt haben: Untergünde, Treppen, Aufzüge, Türme, Menschen jeder Art, Fahrzeuge jeder Art, Geräusche u.v.m.

Auch Ankündigungen helfen jedem Hund, die Welt und seinen Menschen als berechenbarer zu erleben. Ich kündige Peppi an, dass wir weiter gehen, wenn ich ihn anfasse, ich die Leine anbringe oder löse, das Geschirr an oder aus ziehen möchte oder ihn hoch heben würde. Das hilft ihm, Selbstwirksamkeit zu erleben und mir zu vertrauen – und sich damit sicher zu fühlen.
Auch ein Sicherheitssignal verbunden mit einem Sicherheitsort trägt zum Vertrauensaufbau bei. Bei kleinen Hunden bietet sich „Hoch!“ verbunden mit dem Arm des Hundehalters an, bei großen Hunden „Parken!“ verbunden mit der Beinlücke des Menschen. Peppi springt bei Gefahr selbstständig oder auf Signal auf meinen Arm.
Charakter
Hoffentlich ist dein Welpe (so wie unserer) charakterlich schon für das Mantrailing geeignet. Peppi ist unfassbar beharrlich und willensstark, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Er scheut dann keine Kraftanstrengung, kennt keine Angst, fragt niemals um Hilfe und gibt niemals auf – bis er sein Ziel erreicht hat. Außerdem ist er schnell zu begeistern, immer freundlich und fröhlich, mutig und extrem selbstbewusst.
Für mich hat er alle Charaktereigenschaften, die einen perfekten Mantrailer ausmachen. Dennoch habe ich von Beginn an sein Erkundungsverhalten, seinen Mut, sein Durchhaltevermögen und seine Frustrationstoleranz beim Lösen von Problemen, seine Selbstwirksamkeit und sein Selbstbewusstsein gefördert:
- Erkundungsverhalten zulassen und fördern -> Selbstvertrauen fördern
- gemeinsam Abenteuer erleben -> Selbstvertrauen und Vertrauen in den Menschen stärken
- Spiel mit dem Bindungspartner mit und ohne Objekt -> Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und Bindung stärken, Beute als Belohnung aufbauen
- Koordination & Muskelaufbau -> Selbstvertrauen stärken
- Shapen -> Kreativität, Frustrationstoleranz und Selbstwirksamkeit fördern
- „Intelligenzspiele“ anbieten -> Kreativität und Selbstwirksamkeit fördern
- Du kannst diese Liste nach Belieben abwandeln und ergänzen.

Basiserziehung
Welche Signale sind mir wichtig? Und was will ich zu Beginn NICHT trainieren? Diese Frage habe ich mir gestellt, bevor der Welpe einzog.
Mir war klar, dass ich keine Leinenführigkeit, kein Aufdemwegbleiben und kein Anderbordsteinkantestoppen trainieren will, weil ich einen Hund brauche, der hemmungslos Zug in die Leine gibt und sich Gelände unabhängig bewegt. Also brauchte ich einen sicheren Freilauf.
Von Tag 1 an begann ich mit einem sicheren, reflexartigen Aufmerksamkeits- / Abbruch- / Rückrufsignal. Es folgten Signale für ein sicheres Ausgeben, der Rückrufpfiff und ein Stoppsignal (inklusive Auflösesignal). Das war für die Welpenzeit komplett ausreichend.
Alle Signale wurden klassisch und R+ konditioniert, denn wenn ich sie beim Trailen verwende, will ich, dass sie nicht nur absolut zuverlässig und reflexartig schnell ausgeführt werden – sie sollen auch ausschließlich mit positiven Emotionen verknüpft sein!
Mein Tipp: Erstelle dir eine Liste mit Dingen, die dein Welpe nicht (im Welpenalter) lernen soll! bei mir sah die so aus:
- Mein Welpe soll keine Angst haben, Wege jederzeit zu verlassen. Deshalb trainiere ich das auf dem Weg bleiben nicht aversiv. Stattdessen verstärke ich auf Spaziergängen mit verschiedenen Techmiken das Aufdemwegbleiben.
- Mein Welpe soll das Abwenden von Fressbarem oder das Ausgeben von Futter nicht mit dem Meiden eines Laufweges oder Trails verknüpfen. Deswegen baue ich diese Signale klassisch und positiv konditioniert auf – und das sehr früh.
- Ich möchte nicht, dass mein Welpe sich auf dem Trail ständig zu mir umschaut oder nachfragt. Deshalb bestätige ich nicht (wie bei anderen Welpen) den freiwilligen Blickkontakt, sondern stattdessen nur den Aufenthalt in einem bestimmten Radius.
- Ich möchte nicht, dass mein Hund die Leine als „Korrektur“ erlernt. Deshalb nutze ich die Leine nur zu Absicherung, wo unbedingt nötig, und achte darauf, dass niemals Zug auf dieser ist.
- Diese Liste kannst du nach deinen Wünschen abändern oder fortsetzen.

Warten im Auto
… sind beim Mantrailingtraining kaum zu vermeiden. Und diese Wartezeiten sollen für den Welpen wirklich erholsam sein, damit Gelerntes gut verarbeitet wird und das Training für den Hund keinen Stress bedeutet. Peppi wurde bereits von der Züchterin darauf vorbereitet, mit seinen Geschwistern auch ohne Menschen alleine zu bleiben. Die Mehrhundehaltung ermöglichte uns, dies nahtlos fortzusetzen. Allerdings durfte der Welpe in den ersten Wochen immer zuerst trailen (was ja auch für den Trainingsaufbau Sinn macht) und war dadurch müde und zufrieden, wenn die Wartezeit im Auto anstand.
Startert ihr mit weniger guten Voraussetzungen, müsst ihr das Alleinbleiben im Auto schrittweise aufbauen und zu Beginn für eine Begleitperson sorgen. Ein sorgfältig aufgebauter, den Vorlieben des Hundes entsprechender Ruheplatz und konditionierte Entspannungssignale (Duft, Musik, z.B. von Relaxopet) können unterstützen. Eine angenehme Temperatur, Frischluft und Wasser und ggfs. eine Schleckmatte oder ein Kauknochen ergänzen das Wohlfühlprogramm.
Trainingsplanung
Startest du mit einem Welpen, empfehle ich dir von Beginn an eine detailierte Trainingsplanung. Überlege dir, wie oft und wie intensiv pro Woche du trainieren möchtest, stelle eine lang- und mittelfristige Trainingsplanung auf und dokumentiere jeden Trail, um sicher zu gehen, dass du deine Trainingsschritte auch erreichst! Ich kann mir ein systematisches Training ohne unser TrailTageBuch nicht mehr vorstellen. Und gerade der Aufbau des Welpen OHNE Leine erfordert eine sehr durchdachte Trainingsplanung!

Weiter geht es in Kürze mit Teil 2:
Start eines Welpen ins Mantrailing – die „Puppytrails“ (Teil 2) – Vorschau
Wie schauen die ersten Trainingsschritte bei einem Welpen aus?
Hast du dich das auch schon einmal gefragt? Ich nehme dich mit auf Peppis Reise in die Welt des Mantrailing. Peppi ist ein Working Cocker und kam mit 8 Wochen zu uns. Fünf Tage nach seiner Ankunft mit 8,5 Wochen durfte er zum ersten Mal trailen – und hatte sofort Spaß dabei!
Ich habe von Beginn an Trainingstagebuch geführt und auch viele Trails mit gefilmt. Im Folgenden werde ich euch einige Einblicke in unser Training und die Entwicklung eines Welpen gewähren.
Durschnittlich haben wir dreimal pro Woche trainiert, jeweils in der Regel mit einer kurzen Trainingseinheit, ständig wechselnden Versteckpersonen und an immer anderen Orten. Um die freie Entwicklung zu Beginn nicht zu beeinflussen, trailen wir wo irgend möglich ohne Leine. Ein sehr kleinschrittige und extrem gut durchdachter Trainingsaufbau garantiert dabei fehlerfreies Lernen. „Korrekturen“ über die Leine werden durch durchdachtes Traillegen obsolet…
Teil 2 is coming soon – seid gespannt!
