Rituale geben Sicherheit

… Erwartungssicherheit & damit auch Handlungssicherheit – auch für den mantrailenden Hund… und sie sorgen für den richtigen Hormoncocktail!

Kennst du das: Du ziehst eine bestimmte Hose an, packst genau diese Leckerlis ein, nimmst eine besondere Leine mit – und schon explodiert dein Hund vor lauter Vorfreude aufs Mantrailen.

Viele Rituale sind uns gar nicht bewusst, unsere Hunde nehmen sie aber wahr, denn sie geben ihnen Erwartungssicherheit in einem Tagesablauf, den sie kaum beeinflußen können. Im unmittelbaren Kontext eines Trails nutzen wir Rituale ganz bewusst, um unseren Hunden genau diese Erwartungssicherheit und damit auch Handlungssicherheit zu geben – vor dem Start – beim Start – auf dem Trail – am Ziel – auf dem Rückweg & zum Einleiten der Erholungsphase.

Startrituale

Die Bedeutung von Ritualen vor dem und am Start liegt in der mentalen oder physischen Vorbereitung auf die bevorstehende Tätigkeit. Das für die Tätigkeit optimale Wachheits- und Erregungsniveau wird erreicht. Erwartungs- und Handlungssicherheit geben Selbstsicherheit. Durch klassische Konditionierung wiederholt in diesem Kontext präsentierter Reize, kommt es zu Neurotransmitter vermittelten Veränderungen von Emotionen und Erregungszustand. Einige Aspekte gilt es dabei zu bedenken:

  • Um dem Hund die Möglichkeit zu geben, sich mental auf die Tätigkeit des Trailens einzustimmen, ist es sinnvoll, eine Reihe von Ritualen über einen längeren Zeitraum hintereinander zu schalten.
  • Für einen Anfängerhund sind deutliche Rituale von besonders großer Bedeutung. Dem routinierten Mantrailer reichen oft sehr subtile Signale.
  • Rituale sollen dem Hund helfen und ihn nicht behindern. Deswegen müssen sie immer individuell sein und sich dem Erregungslevel des Hundes vor dem Start und seinen Bedürfnissen anpassen.
  • Es ist wichtig, die optimalen Rituale für den individuellen Hund in seinem momentan Entwicklungszustand zu finden. Die Bereitschaft zur Optimierung und Anpassung sollte immer bestehen.
  • In allen Fällen plädiere ich zur Verletzungsprophylaxe für ein kurzes Warm up (Herzkreislaufsystem, Vorderhand, Hinterhand, Rücken, HWS, Koordination) nach dem Aussteigen aus dem Auto.
  • Startrituale beginnen für viele Hunde bereits vor dem Verlassen des Zuhauses. Die Vorbereitung von Futterbelohnung oder spezifische Kleidung des Hundeführers stimmt erfahrene Hunde bereits auf das Mantrailen ein.
  • Am Trailort angekommen ist grundsätzlich eine stressfreie Umgebung und eine geordnete Vorbereitung des Hundeführers sinnvoll, denn auch dieser profitiert mental von Ritualen vor dem Start.
  • Auch das Aussteigen des Hundes, die Gelegenheit zur Umweltorientierung (ohne Unterordnung, evtl. in Form eines Perimeters) und der Weg zum Startpunkt sollten ohne Stress erfolgen.
  • Das unmittelbare Startritual kann variieren, beinhaltet aber klassisch das Anlegen des Trailgeschirrs und das Umschnallen des Hundes vom Halsband auf das Trailgeschirr, das Anriechen und ein Startsignal.

Die Lawine ins Rollen bringen –

… das ist eine zentrale Aufgabe der Startrituale. Im natürlichen Jagdverhalten wird immer ein initialer Reiz – natürlich oder konditioniert – benötigt, um die als selbstbelohnend, euphorisierend und erregungssteigernd empfundene Dopaminausschüttung zu starten. Lawinenartig vergrößert sich nun die Dopaminwirkung und führt zu einem stabilen und hoch motivierten Verhalten. Genau so ein initialer Reiz ist unser Startritual beim Mantrailen. Und da Dopamin eine große Rolle in der Suchtgenese spielt, wird die Motivation unseres Hundes so von Trail zu Trail eher zu- als abnehmen.

Rituale unterwegs

Die Bedeutung von Ritualen auf dem Trail liegt ebenfalls in der Erwartungs- und Handlungssicherheit. Ritualisierte akustische oder optische Kommunikation (Körpersprache, Bewegung im Raum) und ritualisiertes Leinenhandling zwischen Hund und Hundeführer geben beiden Partnern Sicherheit und sorgt für eine reibungslose Zusammenarbeit.

Rituale am Ziel

Rituale am Ziel sind Teil der Belohnung und leiten bereits die Endorphin vermittelte, sinkende Erregung bei weiter bestehender Euphorie ein. Hierzu gehört neben der sozialen Bestätigung auch eine Beutebelohnung und das Rückgängigmachen der Startrituale (Umschnallen, Geschirrausziehen).

Rituale auf dem Rückweg zum Auto und dort angekommen helfen zusätzlich, die Erregung weiter zu senken und die Erholungsphase einzuleiten.

Rituale für den Hundeführer

Auch der Hundeführer profitiert von Ritualen.

  • Die Bedeutung der Rituale vor dem Start liegt ebenfalls in der mentalen Vorbereitung auf die bevorstehende Tätigkeit und besteht oft darin, dass der Hundeführer sein Material vorbereitet und sortiert, Warnweste und Hüfttasche anzieht und die Leine aufschießen.
  • Rituale auf dem Trail vereinfachen und entstressen die Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer und ermöglichen dem HF, sich auf die wirklich wichtigen Informationen zu konzentrieren.